female embodiment

ein performatives Labor

Carina Nekolny – Text, Sprache, Herbert Lacina – Musik, Stephanie Tietz – Tanz, Wolfgang Dokulil – Bildende Kunst und Konzept.

Die transdisziplinäre Performance female embodiment nimmt Bezug auf ein irritierendes historisches Phänomen: Sie setzt sich  damit auseinander, wie erfindungsreich Frauen in einer patriarchalen Gesellschaft die Definitionsmacht über ihren Körper und ihre Sexualität generieren und welches Echo die Auseinandersetzung mit diesem radikalen „female embodiment“ bei  vier Künstler*innen heute auslöst.

Bei dem Phänomen handelt es sich um erotische weibliche Mystik im ausgehenden Mittelalter, als ein regelrechtes mystisches Fieber kollektiv die in Frauenklöstern in Klausur lebenden Dominikanerinnen überkam. Es  äußerte sich in vielfältiger Weise als Embodiment. Frauen erlebten ihren von der Kirche angefeindeten Körper als machtvoll und privilegiert. Mit ihm „verkörperten“ sie erotische Vereinigungserfahrungen mit dem himmlischen Bräutigam, Stigmata erschienen, sie wurden zum Jesuskind schwanger, gaben sich Visionen und Jubili hin … kurzum, sie kamen in den Genuss von etwas, das Männern vorenthalten blieb. Und sie bedienten sich der Macht des Wortes, um die ihnen exklusiv vorbehaltenen Erfahrungen publik zu machen und sich Gehör und Prestige zu verschaffen. Die deutsche Sprache war danach um vieles reicher und die sinnliche Wahrnehmung in der Mystik etabliert.

Carina Nekolny hat sich historisch und künstlerisch interpretierend mit dem Thema beschäftigt. Daraus entstanden „säkuläre gedichte“ und „sexmitjesus-Bilder“. Sie sind Ausgangspunkt  einer Auseinandersetzung mit dem Thema Female Embodiment. Konfrontation, Abwehr, Irritation, Annäherung (auch an die eigene Leiblichkeit?) im Sinne von Body Positivity (oder Negativity) mit allen Sinnen.

Das alles ergründet das KunstbeTriebsEnsemble transdisziplinär und improvisierend als „work in progress“. Die Künstler*innen zerlegen libidinöse, blutige, (mit)leidende, vereinnahmende Elemente des historischen Phänomens, des verkörperten, verleiblichten Passionsmythos, betrachten die Bruchstücke und Einzelteile, entkleiden sie ihrer ursprünglichen Funktion und generieren etwas anderes, Neues daraus. Sie sind Bastler*innen, sie betreiben performative Bricolage.

Der folgende Teaser beruht auf Proben von ORAKEL, aus dem das KunstbeTriebsEnsemble hervorgegangen ist.